Gedanken zur Zufriedenheit (2.3.2017)

 

Viele Menschen leben tagein, tagaus in gewohnter Unzufriedenheit. Manche hinterfragen diese noch, andere haben ihr Leid bereits akzeptiert und denken sich: „Solang es nicht noch schlimmer kommt, ist dies meine Toleranzgrenze. Geht schon, muss gehen.“ 

 

Ich gehöre nicht zu dem Personenkreis, der Dauer-Zufriedenheit, „Perma-Glück“ und Friede, Freude und so weiter predigt. Im Gegenteil, Unzufriedenheit kann ein starker Motivator sein. In der Zufriedenheit passiert es meistens, dass man in Lethargie und Stillstand verfällt. "So soll es sein, so kann es bleiben." Zum Auftanken von Energie und Genießen von positiven Gefühlen, ein wunderbarer Zustand zugegeben. Aber um etwas zu verändern, besonders am eigenen Leben, da hilft uns nur eine tiefgreifende Unzufriedenheit, die uns versucht zu sagen, dass es so nicht weitergehen kann. Ergo, ohne Unzufriedenheit, wenig bis keine Entwicklung. 

 

Trotz allem wünsche ich niemandem eine andauernde Unzufriedenheit, damit man in Entwicklung und Entfaltung der eigenen Person bleibt. Das Erleben ist kein Wettlauf, wer sich wann, wie gut weiterentwickelt. Erleben findet im Moment statt und genau dort darf man auch mal zufrieden sein. 

Wann stellt sich nun bei einer Person Zufriedenheit ein? 

 

Zugegeben, eine sehr schwierige Frage, da jede Person eine eigene Geschichte hat und auch eine eigene, individuelle Zukunft anstrebt. Auf diesem mehr oder weniger linearen Weg bekommt zwar jeder ein Gefühl dafür, was ihn erfreut und zufrieden macht, aber es bewusst zu erleben oder greifbar zu verfolgen fällt den meisten Menschen schwer.

 

Warum eigentlich? 

 

Auf der einen Seite gibt es das „Außen“, das Umfeld, welches unser Verhalten beeinflusst. „Was werden die anderen davon denken? Ist das überhaupt was für mich?“ (Sei lieb, sei gefällig!) Oftmals unbewusst passen wir unseren Lebensstil unserer Umgebung an, denn wer auffällt, könnte aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden und das wollen wir nicht. Der Mensch ist ein Herdentier. Aufmerksamkeit, Sympathie, Kommunikation, Anerkennung, Status, all das tut uns gut und macht uns eigentlich auf eine eigene Art und Weise schon zufrieden. Leider ist dieses Gefühl bei vielen zum grauen Alltag geworden und wird dadurch nicht mehr wertschätzend empfunden bzw. bei Überfluss sogar mit ungläubigem Zynismus beantwortet. „Hey, schönes neues Auto hast du da.“ – „Ja, ja, danke für die Blumen.“ 

Im Gegensatz zum oben genannten eigenen Erleben kann es in Gemeinschaften durchaus Wettkämpfe geben. Worum wird gekämpft? Unter anderem um Aufmerksamkeit, Sympathie, Anerkennung, Status. Dieselben Werte wie bereits oben erwähnt. Wettkampf ist meistens verbunden mit Druck. Diesen kennt man auch sehr gut als Stress und kann auch die eine oder andere Angst mit sich bringen. Druck ist ein absoluter Zufriedenheitskiller. 

Ich schulde Ihnen noch die andere Seite, die dem „Außen“ gegenübersteht. Fast schon wie ein Spiegel haben wir nämlich dieselben Problemthemen mit uns selbst. Selbstkritik, Zweifel, Überschätzung, Neid sind nur ein paar Eigenschaften, die jeder von uns besitzt. Manchmal ausgeprägter, manchmal verdeckter und selten kontrolliert oder gezähmt. „Wenn es nicht an meiner Umwelt liegt, dann muss es an mir liegen.“ Beinahe jeder hadert mit sich selbst in bestimmten Situationen. Da braucht es gar kein „Außen“ mehr, um Unzufriedenheit zu verspüren.

Um hier nicht allzu sehr in der menschlichen Psyche abzugleiten, wo noch viele weitere Gründe unserer Unzufriedenheit liegen (dafür gibt es ganze Bücherregale voll toller Lektüre bei Ihrem Buchhandel des Vertrauens), beenden wir hier vorerst die Ursachenforschung.

Wie komme ich nun meiner ausgewogenen Zufriedenheit näher?

 

Zu Beginn würde ich Ihnen raten sich eine Liste anzulegen mit Situationen, Tätigkeiten, Personen, Orten, die Ihnen guttun oder gutgetan haben. Aus diesem Fundus können Sie viel Kraft gewinnen, allein schon durch das Bewusstmachen dieses freudebereitenden Sammelsuriums. Schon der Gedanke an erlebte Situationen kann Ihnen kurzzeitige Zufriedenheit bringen. Kombiniert mit einer Entspannungsübung kann dieser Zeitraum gestreckt werden. Dies wäre eine Möglichkeit für Manches auf Ihrer Liste, das nicht unmittelbar oder gar nicht in der Realität zu wiederholen ist. Ansonsten einfach nachholen, die frischeste Visualisierung (Verbildlichung) ist noch immer die vor Ihnen, in der realen Wahrnehmung, ihre Welt. 

Nun, wie so oft sind es die kleinen Dinge im Leben. Vieles, das wir vergessen oder verlernt haben zu (be-)achten. Es ist ein großer Unterschied im Moment etwas zu erleben oder schon mit den Gedanken in der Zukunft zu sein. Wann haben Sie sich das letzte Mal bewusst über einen schönen Tag gefreut? Einer schönen Blumenwiese oder überhaupt einer für Sie angenehmen Situation volle Aufmerksamkeit geschenkt? Und wenn Sie das getan haben, hatten Sie da Zugriff auf Ihre positiven Gefühle oder war der Moment einfach nur logisch und „schön“? „Schöne Blumenwiese abgehakt, was kommt als nächstes?“

Haben Sie sich schon mal hinterfragt, wieso Sie etwas als schön empfinden? Oft denk´ ich mir, dass viele Leute Worte benutzen, deren Bedeutung sie gar nicht mehr hinterfragen. „Schön“ und „Gut“ sind für mich zwei Paradebeispiele. Aber das ist eine ganz andere Geschichte. 

Ein kleiner Tipp von mir: Kosten Sie beim Erleben schöner Momente alle Ihre Sinneseindrücke bewusst aus. Was sehen Sie? Gut, das ist für viele Personen der Primäraufnahmekanal. Was hören Sie? Hier wird es für manche schon interessanter. Was riechen Sie? Wenn die Möglichkeit besteht, wie fühlt sich etwas an oder wie schmeckt es? Der Tipp mit dem Schmecken ist mit Vorsicht zu genießen und vielleicht auf Mahlzeiten zu beschränken. 

 

Erwartungen runterschrauben

 

Auch bei den eigenen und fremden Erwartungen können Sie sparen. Druck wegnehmen und Zufriedenheit steigern. Oftmals sind die Erwartungen an sich selbst viel zu hoch angesetzt und eine gründliche Hinterfragung wäre eine gute Idee. Vielleicht können Sie sich auch entlasten, wenn Sie überprüfen, wie stark Sie von der Meinung anderer abhängig sind, weil es sich ja angeblich so gehört. Im Prinzip können Sie ja sein, wie Sie wollen, ohne gleich aus dem gesellschaftlichen Rahmen zu fallen. 

Tun Sie sich etwas Gutes. Fangen Sie an mit einfacher Mentalhygiene. Ja richtig, Hygiene für den Kopf. Ihren Körper pflegen Sie doch auch täglich und versuchen sich so gut es geht fit zu halten. Ihr Kopf hat dieselbe Aufmerksamkeit verdient, genauso wie Ihr Körper. Jeden Tag 5 Minuten und Sie werden erstaunt sein, wie Sie sich und in gegebener Zeit auch Ihr Umfeld verändern werden. 

 

In diesem Sinne, alles Gute bei der Selbstanwendung!

 

Ihr Mentalcoach 

 

Christoph Wudy